«Glücklich sein trotz allem»: Wladimir Korolenko (1852-1921)

Unbestechlichkeit, Menschenliebe und Optimismus prägen das Werk Wladimir Korolenkos, der am 27.Juli 1853 als Kind eines Richters kosakischer Herkunft im westrussischen Shitomir geboren wurde. «Der Mensch ist geschaffen für das Glück wie der Vogel für den Flug», hiess seine Devise, und dass er sie von einem Krüppel gehört haben will, ist sprechend für die Unverdrossenheit, mit der er ihr treu blieb. Was alles andere als selbstverständlich war, verbrachte er doch viele Jahre in zaristischen Gefängnissen und in Sibirien, bis endlich die von den Besten seiner Generation erträumte Revolution ausbrach - und er nur durch seinen raschen Tod im Jahre 1921 davor bewahrt wurde, auch da wieder ins Gefängnis zu wandern! Glücklich sein trotz allem: das ist auch das Thema seines literarischen Werks, zu dem einige von Russlands schönsten Erzählungen gehören. «Makars Traum» liess 1885 einen armen Bauern in deutlichen Worten Unterdrückung und Ausbeutung beklagen, gab der Zensur aber keine Handhabe gegen den eben aus Sibirien entlassenen Autor: die Attacken sind Teil einer Rede, die der Bauer im Suff und im Traum vor dem himmlischen Weltenrichter hält! «Der Wald rauscht» (1886) erzählt vom tristen Leben einer Frau zwischen reaktionären Gutsherren und Exponenten der Revolution. Ein heisses Eisen der zaristischen wie der kommunistischen Herrschaft brachte Korolenko 1890 mit «Der Tag des Gerichts» auf den Punkt, wo er auf wunderbar einfühlsame und einleuchtende Weise für die russischen Juden und gegen deren Diskriminierung Stellung bezog. Am eindrücklichsten aber ist «Die Geschichte meines Zeitgenossen», Korolenkos unvollendete Autobiographie von 1921. Was da über eine russische Kindheit in der Mitte des 19.Jahrhunderts und über die Spannung zwischen einem archaisch gerechten, eifersüchtigen Vater und einer ganz jungen Mutter erzählt wird, mutet wie ein zugleich trauriges und fröhliches, eminent russisches Märchen an und hat in seiner psychologischen Raffinesse auch vor ganz grossen Namen wie Tolstoi oder Dostojewski Bestand.