Robert Faesi

*Zürich 10.4.1883, Zollikon (ZH) 18.9.1972, Literaturwissenschafter und Schriftsteller. Aus einer Zürcher Patrizierfamilie stammend, wurde F. nach Studien in Berlin und Zürich 1911 PD, 1922 Prof. für neuere dt. und schweiz. Literatur an der Univ. Zürich. Er befasste sich vorwiegend mit traditionsverpflichteten Zeitgenossen (Rilke, T. Mann u.a.) sowie mit der jüngeren Schweizer Literatur (»Gestalten und Wandlungen schweiz. Dichtung«, 1922). F., der als Mgl. oder Vorsitzender zahlr. Gremien (Schweiz. Schriftsteller-Verein, Schillerstiftung usw.) eine massgebl. Rolle im Kulturleben spielte, hinterliess ein umfangreiches schriftsteller. Werk, das Dramen (»Opferspiel«, 1925), Komödien (»Die Fassade«, 1918; »Leerlauf«, 1929), Lyrik (»Aus der Brandung«, 1917; »Der brennende Busch«, 1926; »Ungereimte Welt gereimt«, 1946) und Epik umfasst. Für seine Zürcher Romantrilogie »Die Stadt der Väter«, »Die Stadt der Freiheit« und »Die Stadt des Friedens« erhielt F. 1945 den Literaturpreis der Stadt Zürich. Am bekanntesten wurde er mit seiner Erzählung »Füsilier Wipf« (1917), die insbes. seit ihrer Verfilmung (1938) als Schlüsselwerk der geistigen Landesverteidigung gilt. Seine Autobiographie von 1963 trägt den Titel »Erlebnisse, Ergebnisse«. (Schweizer Lexikon CH 91)

Faesi, Robert

* 10. 4. 1883 Zürich, † 18. 9. 1972 Zollikon bei Zürich. - Dramatiker, Lyriker, Erzähler; Literarhistoriker.
Der Sproß eines reichen Zürcher Patriziergeschlechts studierte nach der Matura ab 1901 zunächst Jura, dann Germanistik in Lausanne, Zürich u. Berlin (Dr. phil. 1907). Er war Gymnasiallehrer in Zürich, reiste zu längeren Bildungsaufenthalten nach Paris, London u. Moskau u. habilitierte sich 1911 in Zürich für neuere dt. u. schweizerische Literaturgeschichte. 1922 wurde er a. o. Professor, 1943 ordentl. Professor, 1953 emeritiert. Als Präsident bzw. Mitgl. zahlreicher kultureller Gremien (Schweizerischer Schriftsteller-Verein, Schweizerische Schillerstiftung u. a.) spielte F. eine maßgebl. Rolle in der schweizerischen Literaturpolitik. Obwohl politisch eher konservativ, setzte er sich in der NS-Zeit verschiedentlich für bedrohte dt. Exilautoren ein. Als Literarhistoriker befaßte er sich vorwiegend mit der traditionsverpflichteten jüngeren Literatur (Rilke, Dehmel, Paul Ernst, Thomas Mann) u. mit den Schweizer Zeitgenossen (Gestalten und Wandlungen schweizerischer Dich-
tung. Zürich 1922).
F.s eigenes literar. Werk umfaßt praktisch alle Spielarten: von den klassizistischen Tragödien Odysseus und Nausikaa (Zürich 1911) u. Opferspiel (Zürich 1925) über Lustspiele wie Die Fassade (Bln. 1918) u. Leerlauf (Bln. 1929) bis zum Kasperlespiel Dichternöte (Zürich 1921), von expressionistisch angehauchter polit. Lyrik (Aus der Brandung. Lpz. 1917) über neuromant. Dichtungen in der Nachbarschaft Dehmels u. Rilkes (Der brennende Busch. Zürich 1926. Das Antlitz der Erde. Frauenfeld/Lpz. 1936) bis zu humoristischen u. parodistischen Versen in der Nachfolge Wilhelm Buschs (Ungereimte Welt gereimt. Zürich 1946). Als Erzähler gestaltete F., der 1908 mit der historisierenden Zürcher Idylle debütierte, primär die Geschichte seiner Vaterstadt, die er in der Romantrilogie Die Stadt der Väter (Zürich 1941), Die Stadt der Freiheit (Zürich 1944) u. Die Stadt des Friedens (Zürich 1952) aus dem Blickwinkel des staatstreuen konservativen Bürgers für die Zeit zwischen dem Ancien régime u. 1848 literarisch aufarbeitete. Von Bedeutung für das schweizerische Selbstverständnis im Ersten Weltkrieg u. für die sog. »geistige Landesverteidigung« im Zweiten Weltkrieg war auch F.s patriotische Erzählung Füsilier Wipf (Frauenfeld 1917), die durch ihre Verfilmung 1938 zu seinem populärsten Werk avancierte.
WEITERE WERKE: Die offenen Türen. Bln. 1912 (D.). - Das poet. Zürich. Miniaturen aus dem 18. Jh. (zus. mit Eduard Korrodi). Zürich 1913 - Der König v. Sainte-Pélagie. Lpz. 1924 (E.). - Tag unsres Volks. Frauenfeld 1939 (Kantate). - Alles Korn meinet Weizen. Zürich 1961 (R.). - Erlebnisse, Ergebnisse. Zürich 1963 (Autobiogr.). - R. F. (Hg.): Thomas Mann - R. F.: Briefw. Zürich 1962.
(Bertelsmann Literaturlexikon)