«Hoffentlich lässt sich Bern die Gelegenheit nicht entgehen, zur wichtigsten Stadt der protestantischen Welt emporzusteigen», schrieb 1935  das «Berner Tagblatt», als Karl Barth, der am 10.Mai 1886 in Basel geborene ehemalige Berner Gymnasiast und Theologiestudent, Verfasser des radikal kirchenkritischen «Römerbriefs» (1919), wegen seiner führenden Rolle in der gegen Hitlers Terror gerichteten «Bekennenden Kirche» seine Bonner Professur verlor. Bern überging die Gelegenheit und überliess Barth der Universität Basel. Dort verfasste er nicht nur die epochale 13bändige «Dogmatik», die laut Kurt Marti «alle Systeme zugunsten einer lebendigen Gotteserkenntnis und -beziehung aufbricht», sondern spielte auch seine Rolle als Haupt des theologischen Widerstands gegen Hitler weiter. «Im Namen Gottes des Allmächtigen!» hiess 1941 das berühmteste jener Traktate, mit denen er, an die Schweiz ebenso wie an die Christen vieler Länder adressiert und oftmals auf geheimen We-gen in besetzte Staaten verschickt, die Verbrechen beim Na-men  nannte, den Verschonten ihren Opportunismus ankreidete und den Verfolgten Mut machte. Zensur und Behörden wollten ihn immer wieder mundtot machen, und als er im September 1941 zu einem Vortrag ins Seminar Muristalden eingeladen wurde, wusste es Oberst Feldmann, der Präsident des Schul-vereins, auf dem Verbotsweg zu verhindern, dass der «anrüchi-ge Kerl und Konjunkturpatriot» das Wort ergriff.
Längst waren die, denen Barth ein Dorn im Auge war, ins Un-recht gesetzt worden und galt er mit seiner das Irdische dem Metaphysischen voranstellenden Theologie als protestantischer Kirchenvater des 20.Jahrhunderts, als er, bescheiden, wie er blieb, kurz vor seinem Tod am 10.Dezember 1968 sein Wirken mit der Leistung des Esels verglich, der Jesus am Palmsonntag nach Jerusalem trug: «Es brauchte in unserer Zeit offenbar eine etwas andere Theologie, als sie vorher war, und nun durfte ich der Esel sein, der diese besondere Theologie wenigstens ein Stück weit tragen durfte.»